Ausblick 2016

Mit Zuversicht gehen wir in die Zukunft. Aus guten Gründen.

Die Wirtschaft in unserer Region ist stark: Erfreuliche Zahlen aus den unterschiedlichen Branchen, Exportwerte auf Rekordhöhen, innovative Leitbetriebe und fortschrittliche Klein- und Mittelunternehmen lassen eine weiterhin positive Entwicklung erwarten. Klarerweise ist auch Vorarlberg dabei nicht gänzlich von der weltweit schwierigen Situation abgeschottet. Speziell als Exportregion trifft uns die nur langsam in die Gänge kommende Wirtschaft in Europa und der Welt. Der schwache Euro hilft dagegen beim Außenhandel. Ergebnis ist somit oftmals eine solide finanzielle Ausstattung der heimischen Betriebe, jedoch eine Zurückhaltung bei Investitionen. Eigenfinanzierungen werden getätigt, doch Fremdkapital wird zum Teil nicht abgerufen, die extreme Niedrigzinssituation damit nicht genutzt und manche Möglichkeiten für zukunftsweisende Investitionen werden ausgelassen. Kommt die Wirtschaft der EU und der Welt mehr und mehr in Fahrt, ist hieran mit einer Schubumkehr zu rechnen.

Eine große Aufgabe der Gesellschaft bleibt es, die Arbeitslosenzahlen in den Griff zu bekommen: Zwar gehen immer mehr Menschen einer Beschäftigung nach, jedoch steigt zugleich die Quote jener, die keine Arbeit finden. Eine leichte Entspannung, die in den ersten Monaten des heurigen Jahres vom Westen Österreichs ausgeht, schürt hier die Hoffnung auf eine Besserung. Wichtig dabei ist, den Menschen die Chance zu belassen, für einen eigenen Wohlstand zu sorgen. Dieser Anreiz und verschiedene notwendige politische Maßnahmen sollen eine Verteilungsungerechtigkeit verhindern.

Das Umfeld für eine Regionalbank ist aktuell nicht minder herausfordernd. Der Bankensektor insgesamt befindet sich in einem starken Umbruch: Verändertes Kundenverhalten, neue Technologien und gewandelte Ansprüche der Menschen an ihren Finanzdienstleister sind die eine Sache. Die andere sind die regulatorischen Maßnahmen, mit denen die Politik bedauerlicherweise an manchen Stellen über das zweifelsfrei sinnvolle Ziel hinausschießt, Banken besserer und sicherer zu machen. Es trifft die Falschen, wenn im Besonderen Regionalbanken wie die heimischen Raiffeisenbanken oder die Raiffeisenlandesbank Vorarlberg von den Restriktionen betroffen sind. Diese Rahmenbedingungen werden von einem reservierten Anlegerverhalten und einem lang andauernden extremen Niedrigzinsniveau ergänzt. Der Ertragsdruck verschärft sich. Dem Geschäftsmodell einer soliden Regionalbank sind damit in der heutigen Zeit große Steine in den Weg gelegt. Der Zuversicht gegenüber der Zukunft tut dies keinen Abbruch, es schärft lediglich den Blick auf das Wesentliche: Mit der Ausarbeitung der Strategie der Raiffeisen Bankengruppe Vorarlberg beweist Raiffeisen, die Zeichen der Zeit verstanden zu haben und sich zukunftssicher als breite Bankengruppe für alle Vorarlberger aufzustellen. Wir werden alles in Bewegung setzen, die Präferenzen unserer Kunden noch besser zu erkennen und zu erfüllen, physisch greifbar zu sein, wann immer wir die Menschen unterstützen können, und zugleich durch gut genutzte Technologien für eine umfassende Erreichbarkeit von uns und unserem Service zu sorgen.

Für die Raiffeisenlandesbank heißt es, als Geschäftsbank für Private und die Topunternehmen der Region sowie als Dienstleistungsbank für die Raiffeisenbanken und den Revisionsverband das Optimum herauszuholen: Hierzu zählt es, Synergien zu nutzen, Redundanzen zu verhindern und das Know-how in unserer Bank und innerhalb des Raiffeisensektors nutzbar zu machen. Damit können wir auch unserer Rolle gegenüber unseren Eigentümern nachkommen, Rendite auf das von ihnen eingesetzte Kapital einzubringen. Die Strategie 2016 zum Laufen zu bringen, heißt ebenso, sie am Markt spürbar zu machen. Weder übereilt, noch planlos, sondern mit richtungsweisenden, bewusst gewählten Maßnahmen werden Veränderungen implementiert. Den Nutzen ziehen die Raiffeisenlandesbank und ihre Eigentümer, die verdienten und engagierten Mitarbeiter und die Menschen in Vorarlberg: Denn alle sollen sich mit Raiffeisen auch in Zukunft einer starken heimischen Bankengruppe sicher sein.

Mit dem Strategiepapier stoßen wir Veränderungen im Vorstand der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg an: Vorstandsvorsitzender KommR Betriebsökonom Wilfried Hopfner wird zusätzlich zu seinen bisherigen Agenden die Marktverantwortung übernehmen. Mag. Michael Alge, bereits Mitglied des Vorstands, wird als Vorstandsvorsitzender-Stellvertreter in Zukunft neben seinen bisherigen Themen für den Geschäftsbereich Immobilien und Beteiligungen verantwortlich zeichnen. Neu in den Vorstand der RLBV bestellt wird als weiterer Vorstandsvorsitzender-Stellvertreter Dr. Jürgen Kessler. Als bisheriger Leiter des Revisionsverbands fallen in seine Vorstandsverantwortung von nun an die Geschäftsbereiche Banksteuerung, Finanz- und Kapitalmärkte sowie das Personalmanagement. Zum neuen Leiter des Revisionsverbandes der RLB wird Mag. Gert Fenkart bestellt. Dr. Johannes Ortner wird sein Vorstandsmandat nach zehn Jahren in Vorarlberg aufgeben und als Vorstandsvorsitzender in die Raiffeisenlandesbank Tirol AG wechseln. Formell bestätigt werden die Umstrukturierungen durch die ordentliche Generalversammlung der RLBV. Durch die personelle und inhaltliche Neuordnung gelingt es der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg, noch näher an den Markt heranzurücken und die strategische Positionierung in Schwung zu bringen.

Mit Inkrafttreten des Rechnungslegungs-Änderungsgesetz (RÄG) 2014 (mit 1. Jänner 2016) ergeben sich für den Jahresabschluss 2016 im Wesentlichen folgende Änderungen:

Die bislang unterlassenen Zuschreibungen bei den Kundenforderungen und dem Wertpapier-Eigenbestand sind nachzuholen, wenn die Wertberichtigungsgründe weggefallen sind. Die dadurch erforderlichen Auflösungen von Wertberichtigungen führen im Bereich der Kundenforderungen im Vergleich zu den Vorjahren zu geringeren Einzelwertberichtigungen. Zur richtigen Darstellung des Kreditrisikos werden ab dem Jahresabschluss 2016 daher Portfoliowertberichtigungen für die Bonitätsstufen, die nicht im Ausfall sind, gebildet werden. Die nachgeholten Zuschreibungen werden für wesentliche Kredite einer steuerlichen Zuschreibungsrücklage zugeführt, die in der unternehmensrechtlichen Bilanz nicht als passive Rechnungsabgrenzung ausgewiesen wird. Die Höhe der latenten Steuerschuld wird im Jahresabschluss als Verbindlichkeit ausgewiesen.

Durch die Umstellung vom bisher anzuwendenden GuV-orientierten "timing concept" auf das bilanzorientierte "temporary concept" wird im Jahresabschluss 2016 voraussichtlich eine aktive latente Steuer ausgewiesen werden.

Die bestehenden unversteuerten Rücklagen werden im Jahresabschluss 2016 entsprechend den Vorgaben des RÄG 2014 aufgelöst und nach Abzug der latenten Steuer in die Gewinnrücklagen eingestellt.

Ertragsseitig geht die Raiffeisenlandesbank 2016 von einem deutlich geringeren Ergebnis aus, was vor allem auf einen Rückgang beim Nettozinsertrag zurückzuführen ist. Ausgabenseitig gilt es wieder, die Kosten optimal zu managen. Die Risikovorsorge sollte letztjährige Werte erreichen. Das wesentliche Asset ist und bleibt die Beteiligung an der Raiffeisen Zentralbank Österreich. Der Restrukturierungskurs der Raiffeisen Bank International muss konsequent weiter getrieben werden, damit aus dieser Beteiligung auch wieder Erträge generiert werden können. Auf der Kostenseite müssen die Umsetzung des Projektes „Eine IT“ und weitere daraus folgende Schritte Einsparungen bringen.

Die Motivation, die Zukunft mit Zuversicht anzugehen, ist damit vielfältig. Entscheidend dabei ist es, sich an den eigenen Vorsatz zu halten, umsichtig und vorausschauend weiterzugehen. Wir sind kein Konzern, bei dem auf Knopfdruck die Beschlüsse von oberster Ebene aus diktiert werden. Als Genossenschaft ist unser Weg der Dialog: Mit diesem Ansatz ist das Strategiepapier der Raiffeisenbanken und der Raiffeisenlandesbank entstanden und mit ihm leben wir unsere Beziehungen zu den Menschen in Vorarlberg. So erschaffen wir nachhaltige Lösungen für den Lebens- und Wirtschaftsraum Vorarlberg. Die Zeit gehört der Zukunft, gestalten wir sie Mit.Einander!

Bregenz, den 14. April 2016

 

Betriebsökonom Wilfried Hopfner
Vorstandsvorsitzender

Dr. Johannes Ortner
Stv. Vorstandsvorsitzender
bis 31. März 2016

Mag. Michael Alge
Vorstandsmitglied